Die Bilder von Barbara Mungenast erzählen Geschichten, sind mit „Zeit“ aufgeladen - expressiv gemalt, mit eingenähten Stoffteilen und Spray formal unverwechselbar: eine Mischtechnik mit stilistischem Eigensinn, authentischer Inspiration und konzeptuell originär. In Bildern wie „Ruh“, „Black Sea“ oder „Birth of Venus“ lässt Mungenast „fraktale Stories“ assoziieren, spielt gleichsam „nicht gedrehte Filme“ an aber nicht zu Ende, schnelle Gedanken fetzen, huschen, schweben traumartig vorbei: als angerissenes Textil gerade noch festgenäht, dann erst als „Ölbild“ fertig gemalt. Die Künstlerin verfügt über ein eigenständiges Repertoire an Kunsttechnik „mit exaktem Drive“, sie vermag, dass der/die Betrachter/in sehr plötzlich, fast unvermutet „in der Gegenwart“ ankommen - es wird ästhetischer Sog erzeugt „präsent“ oder schlicht „da“ sein zu müssen.

Eine Idee mag „im Kopf“ explodieren und zugleich im Bauch „losgehen“, lassen Paradoxien unsere individuellen Leben, in all seinen Ambilvalenzen auf- und hochkommen. Die Künstlerin hält uns in Ambiguität und reizt die Kunstkonsum-Routine auch grenzwertig aus: so werden Standards der Perfektion verletzt, Irritation wird zur regellosen Regel von Wackelbildern wie beim Konterfei von Heidi Klum oder „Habemus Papam“, schon Fer-tiggestelltes goes back to the start, Werbung wird verklärt und ironisch fallengelassen – mit dem Eigenleben der Logos und deren Verfallszeit gespielt, lustvoll bis destruktiv, was ja auch den coolen Spaß macht.

Realitätsebenen werden stets gebrochen und neu vermischt: traumartig wird augenblicklich real-langweilig, Banales zum Fest des „Trivial-Ideals“ hochstilisiert idealisiert.


Die Kunst von Barbara Mungenast ist wie „Chinesische Landschaften auf Österreichisch“: Kuhrücken werden zum Bergmassiv, männliche Körperteile zum Bergpanorama – nehmen den Großglockner mit seinen Latschen talwärts mit rein, als würde ganz unten der Yang-Tsekiang fließen. Je mehr man versucht dem Wasserglucksen des chinesischen Flusses hinterher zu hören, desto unhörbarer rauscht dieser zurück.

10. Dezember 2011

Univ.Prof. Dr. Herbert Lachmayer
Kulturphilosoph und Kurator, Kunstuniversität Linz,
Vorstand des Da Ponte Research Centers Wien